Russlands eurasische Kehrtwende

Bis 1991 verfolgte die Sowjetunion einen bestimmten Kurs. Es ging in eine unbekannte Richtung. 

Dann ergab sich ein Dilemma: Den Kurs zu ändern 
- zu einem atlantischen (westlichen) Kurs oder 
- Umstellung auf einen eurasischen (antiwestlichen, aber nicht mehr streng und orthodox sowjetischen, sondern eher imperialen) Kurs.
Die Behörden beschlossen, den Kurs in den Westen zu verlegen. 

Russischer kodex

Durch die direkte Konfrontation mit dem Westen während der BBS, auch wenn der Westen selbst über seine ukrainische Stellvertreterstruktur, die nicht als 'Land' bezeichnet werden kann, daran beteiligt ist, ist Russland gezwungen, seine Souveränität auf allen Ebenen zu verteidigen. In Bezug auf die Militär-, Wirtschafts- und Formalpolitik ist dies ganz offensichtlich, aber der Westen ist viel mehr als eine politisch-militärisch-wirtschaftliche Struktur: Er ist eine Zivilisation mit einem grundlegenden Programmcode. Alles andere leitet sich von diesem Code ab: Waffen, Wirtschaft, Politik, Kultur, Bildung, Wissenschaft, Medien usw. Russland ist nun gezwungen, sich mit dem gesamten Spektrum und ganz allgemein mit dem westlichen Code selbst auseinanderzusetzen.

DIE ABLEHNUNG DES BOLOGNA-PROZESSES UND DIE IDEOLOGISCHEN ERSCHÜTTERUNGEN DER ELITEN

Natürlich gab es einen Unterschied zwischen den 1990er und den 2000er Jahren. Unter Jelzin ging die volle Akzeptanz westlicher Modelle und Standards mit der Integration in die globale Welt und der Bereitschaft einher, dafür alles zu opfern, einschließlich Souveränität und Unabhängigkeit. Die Standardisierung ging also Hand in Hand mit der Entsouveränisierung.

DIE SCHAFFUNG EINER SOUVERÄNEN TECHNOKRATIE

Ich glaube, dass eines der schwerwiegenden Probleme, die wir jetzt haben, darin besteht, dass wir in einer Zeit, in der sich die objektiven Bedingungen geändert haben, weiterhin an alten Einstellungen und Denkschemata festhalten, vor allem, weil wir weiterhin glauben, dass die russische Regierung in zwei Lager geteilt ist: ein Lager, das aus Liberalen innerhalb des Systems (6. Kolonne) besteht, und ein anderes, das aus Patrioten besteht.

Das unvollendete Ende der Geschichte und Russlands Krieg gegen die liberale Weltordnung

Aus ideologischer Sicht lebt die Welt immer noch im Schatten der Kontroverse der 1990er Jahre zwischen Francis Fukuyama und Samuel Huntington. Was auch immer man an den Thesen der beiden Autoren kritisieren mag, ihre Bedeutung hat in keiner Weise abgenommen, denn das Dilemma bleibt bestehen und ist nach wie vor der Hauptinhalt der Weltpolitik und Ideologie.

Ethnosoziologie der Ukraine im Kontext der Militäroperation

Um die spezielle Militäroperation in der Ukraine gründlich zu verstehen, bedarf es einer Vorabklärung: Womit haben wir es im weitesten Sinne des Wortes zu tun? Die Begriffe "Nation", "Nationalität", "Volk", "Ethnos" sind völlig verworren, und damit auch die Begriffe "Russen", "Ukrainer", "Kleinrussen" usw. Wir sollten zunächst eine ethnosoziologische Karte erstellen und die Begriffe verteilen, mit denen wir bei der Analyse dieses Konflikts arbeiten.

Militäroperation in der Ukraine: Geopolitische Analyse

Die Ukraine spielte eine wichtige Rolle in Mackinders geopolitischem Bild. Dieses Gebiet war zusammen mit Polen und den osteuropäischen Ländern Teil des "cordon sanitaire", einer strategischen Zone, die unter der direkten Kontrolle von England und Frankreich (den damaligen Verbündeten der Entente) stehen und eine Annäherung zwischen Russland und Deutschland verhindern sollte. Da Russland-Eurasien durch einen "sanitären Kordon" zurückgehalten wurde, konnte es sich nicht zu einem vollwertigen Reich entwickeln. Ohne die Ukraine ist Russland kein Imperium. Außerdem würde die Ukraine, die Russland feindlich gesinnt ist und unter direkter Kontrolle der Angelsachsen steht, Russland vom europäischen Kontinent abschneiden, wo Deutschland wiederum ein Kernland war, nur nicht ein globales (wie Russland), sondern ein lokales, europäisches. Englands Konflikt mit Deutschland (früher mit Österreich) war eine Konstante in der europäischen Geopolitik.

Alexander Dugin: "Ich glaube, wir haben nicht mehr lange zu warten - die einen auf den letzten Alptraum, die anderen auf große Freude"

Als die Situation das Niveau einer farbigen Revolution erreichte, kam Russland mit OVKS-Truppen zu Hilfe und half, die Situation zu stabilisieren. Aber die Hilfe ging nicht an Nasarbajew und seine korrupten Clans, die nun stärker in ein westliches Modell integriert waren, sondern an Tokajew als amtierenden Präsidenten, der ausreichende (wenn auch letztlich relative) Loyalität gegenüber Russland und verbündeten Verpflichtungen gezeigt hatte. Wären wir nicht zu Hilfe gekommen, hätten in Kasachstan ähnliche Prozesse wie auf dem Maidan oder beim Aufstand gegen Lukaschenko in Weißrussland begonnen, nur eben im asiatischen Stil - Enthauptungen, radikaler Islam, ungerechtfertigte Brutalität usw.

Alexander Doegin: "Ich glaube, wir haben nicht mehr lange zu warten - die einen auf den letzten Alptraum, die anderen auf große Freude"

Hier beantwortet der Philosoph Alexander Doegin Fragen von Your News. Wir sprachen nicht nur über die wichtigsten Weltereignisse Anfang 2022 und die Aussichten für die russische Welt, sondern erfuhren auch, warum Kasachstan seine eurasische Umlaufbahn nicht verlassen sollte und wer Russlands größter Feind ist.

Raisis Besuch in Moskau: der russisch-iranische Pakt

Der Besuch des iranischen Präsidenten Ibrahim Raisi in Russland findet unter besonderen Umständen statt. Russland befindet sich inmitten einer Konfrontation mit dem Westen, wie es sie in den letzten Jahrzehnten noch nie gegeben hat. Der Iran befindet sich seit der Juli-Revolution, die sich strikt gegen die externe Kontrolle des Landes durch den Westen richtete, in einer ähnlichen Situation.

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